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Aus der Akademie für Gesundheitsberufe AfG

28. September 2020

Start der reformierten Pflegeausbildung mit Problemen

Durcheinandergewirbelt und das nicht nur wegen Corona: Im April sind an der AfG die ersten beiden generalisierten Ausbildungsgänge zur Pflegefachfrau/Pflegefachmann gestartet. 31 Auszubildende absolvieren die Ausbildung mit Schwerpunkt stationäre Akutpflege und 28 mit Vertiefung in der pädiatrischen Pflege und einem damit verbundenen Wahlrecht auf den Abschluss zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin. Akademieleiter Frank Stawinski hätte die 59 neuen Schülerinnen und Schüler gerne persönlich begrüßt, was aufgrund der „coronabedingten“ Schulschließung allerdings nicht möglich war.

Vorgeschrieben wird die neue Pflegeausbildung durch das Pflegeberufegesetz des Bundesministeriums für Gesundheit aus dem Jahr 2017. Durch die Zusammenlegung der Ausbildungen in der Kranken- und Kinderkrankenpflege und der Altenpflege erhoffen sich die politischen Entscheidungsträger eine Modernisierung der Pflegeberufe und eine Anpassung an die veränderten Anforderungen, insbesondere was die Versorgung pflegebedürftiger Menschen im häuslichen Bereich anbelangt. So sieht die neue Ausbildungsverordnung vor, dass alle Auszubildenden einen dreimonatigen Einsatz in einem ambulanten Pflegedienst absolvieren müssen. Doch dies führt bundesweit zu erheblichen Problemen, auch an der AfG, wo im April nur zwei der ursprünglich geplanten drei Kurse an den Start gehen konnten. Frank Stawinski: „Es gibt in vielen Regionen Deutschlands, und dazu gehört auch der Rhein-Neckar-Kreis mit einer sehr hohen Dichte an Ausbildungsbetrieben, nicht genügend ambulante Pflegedienste, die die gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen z. B. zur Praxisanleitung erfüllen.“ Sollte gerade in diesem Punkt nicht nachgebessert werden, blickt Stawinski sorgenvoll in die Zukunft: „Ein Gesetz, das zu einer Reduzierung von Ausbildungsplätzen führt, wird in den kommenden Jahren die personellen Probleme in den Pflegeberufen deutlich verschärfen.“ Ob die zum 1. Oktober geplanten vier Kurse an der AfG realisierbar sind, steht derzeit noch in den Sternen: „Wir versuchen unverändert, ambulante Pflegedienste dazu zu bewegen, mit uns zu kooperieren“, so der Leiter der AfG, „aber viele warten erstmal ab und können gar nicht ausbilden, weil die Vorgaben für sie nicht erfüllbar sind.“

 „Ein Gesetz, das zu einer Reduzierung von Ausbildungsplätzen führt, wird in den kommenden Jahren die personellen Probleme in den Pflegeberufen deutlich verschärfen.“

Frank Stawinski, Leiter der Akademie für Gesundheitsberufe AfG

Ausbildungsbeginn zu Corona-Zeiten

Man stelle sich vor, man beginnt eine Ausbildung, lernt seine neuen Kolleginnen und Kollegen sowie die Lehrer und Ausbilder aber erst Wochen später persönlich kennen. Das durchlebten die insgesamt 59 Auszubildenden der neuen Pflegeausbildung, 28 Absolventen der OTA-Schule, 17 Hebammen-Schülerinnen und zehn Auszubildende der MTRA-Schule, die am 1. April an der AfG ihre Ausbildung begonnen haben. Für alle hieß das zunächst einmal Online-Unterricht über die Lernplattform Moodle, über WebEx oder E-Mail. Seit Mai ist Präsenz-Unterricht unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln wieder möglich – allerdings aufgrund der räumlichen Gegebenheiten nur in Teilgruppen. Nur Kurse mit geringeren Personenzahlen (Gesundheits- und Krankenpflegehilfe; Hebamme) dürfen als gesamter Kurs unterrichtet werden.

Technisches Fachwissen im OP ist gefragt

Ab Oktober gibt es an der AfG den neuen Ausbildungsgang zur Anästhesietechnischen Assistentin / zum Anästhesietechnischen Assistenten (ATA). Im Zentrum der dreijährigen Ausbildung stehen alle Arbeitsabläufe, die im Zusammenhang mit der Durchführung einer Narkose im OP durchgeführt werden müssen: Dazu gehört z. B. die Vorbereitung und regelmäßige Überprüfung der Narkose- und Überwachungsgeräte, anderer in der Anästhesie eingesetzten Geräte und der benötigten Medikamente, aber auch die fachkundige Betreuung der Patienten während ihres Aufenthalts in der Anästhesieabteilung sowie im Aufwachraum. Die Ausbildung umfasst mindestens 1.600 Stunden in der Theorie und 3.000 Stunden in verschiedenen operativen Bereichen (u. a. Viszerale Chirurgie, Traumatologie oder Orthopädie, Gefäßchirurgie, Kinderanästhesie, Aufwachraum).

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