Unser Klinikum

Technik, die verbindet

13. Dezember 2019

Der Neubau Chirurgie schließt den „Heidelberger Klinikring“ auf technischer Ebene

Ob Leitungen für die Kälte- und Wärmeversorgung, Schienennetz der Automatischen-Waren-Transportanlage (AWT) oder Rohre für die Müllentsorgung – tief unter der Erdoberfläche auf der Ebene 98 liegen die technischen „Versorgungsadern“ des Klinikums. Mit dem Neubau der Chirurgischen Klinik wird nun das letzte Teilstück dieser Ebene – so zeigt es auch unsere futuristisch anmutende Grafik – geschlossen. Bis zur Vollendung des Klinikrings auf Patientenebene wird es allerdings noch ein wenig dauern: Diese erfolgt erst mit dem 2. Bauabschnitt der Chirurgie (siehe Infokasten zur Geschichte des Klinikrings).

Wir haben uns mit Bernd Kirchberg, Leiter der Klinik-Technik-GmbH (KTG), unterhalten. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern verantwortet er den gesamten technischen Bereich des Klinikums.

Was ist aus technischer Sicht die wichtigste Änderung, die der Neubau Chirurgie mit sich bringt?

Über die Ebene 98, also das 2. Untergeschoss, sind nun alle Kliniken miteinander verbunden. Somit schließt der Neubau zumindest aus technischer Sicht den Klinikring, da sowohl die Automatische-Waren-Transportanlage (AWT) als auch die Leitungen und Rohre für Elektro, Kommunikation, Wärme, Kälte, Wasser, Abwasser, Luft und verschiedene Gase nun tatsächlich unterirdisch im Kreis verlaufen.  Allgemein hat eine Ringversorgung den Vorteil der höheren Versorgungssicherheit. Gibt es an einer Stelle eine Störung, versorgt man das Problem von der anderen Seite. Insgesamt wurden mehrere Kilometer neue Kabel und Rohre gelegt und das Schienennetz der AWT-Anlage um einige hundert Meter erweitert.

Sie betreuen mit Ihrer Abteilung auch die Technik in den Gebäuden. Was hat sich da getan?

Der Umfang der installierten Technik ist gegenüber der alten Chirurgie um ein Vielfaches gestiegen. Es gibt also z. B. deutlich mehr Aufzüge, Brandmelder, Geräte zur Temperaturüberwachung oder Steuerungselemente für die Lüftung. Somit wird auch die Anzahl an Status- und Störmeldungen, die in unserer technischen Leitwarte eingehen, stark steigen. Bisher haben wir ca. 80.000 sog. Datenpunkte für alle Gebäude, mit der Inbetriebnahme der neuen Chirurgie allein werden ca. 20.000 Datenpunkte, also 25 Prozent, dazu kommen.

 

 

„Der Umfang der installierten Technik ist gegenüber der alten Chirurgie um ein Vielfaches gestiegen.“

Bernd Kirchberg, Leiter der Klinik-Technik-GmbH (KTG)

 

 

 

Der jährliche Stromverbrauch des Klinikums beträgt ca. 47.000 Mega-Watt-Stunden, was etwa dem Verbrauch von 11.750 Haushalten entspricht. Umso wichtiger ist es, Energie zu sparen. Wie wurde dieser Umstand beim Neubau Chirurgie berücksichtigt?

Die Patientenzimmer und Diensträume werden energieschonend über die Decken gekühlt, so wie es bereits in der Frauen-, Haut- und Kinderklinik der Fall ist. Die Lüftungsanlagen sind mit einer Hocheffizienz-Wärmerückgewinnung ausgestattet, so dass wir die Abwärme erneut zum Heizen des Gebäudes verwenden können. Die neue Chirurgie ist außerdem komplett mit LED- Technologie versehen. Diese Leuchten sind sehr umweltfreundlich, da sie wenig Strom verbrauchen und eine sehr lange Lebensdauer haben.

Gibt es weitere Änderungen, die Ihren Bereich betreffen?

Vorher wurde der gesamte Abfall der Chirurgie hausintern über einen eigenen Müllhof entsorgt und von dort mit LKWs abgeholt. Mit der Inbetriebnahme der neuen Chirurgie erfolgt die Müllentsorgung komplett über die AWT-Anlage. Dazu wurden ca. 40 neue Wägen angeschafft, um den Mehraufwand zu stemmen.

Mehr Technik als zuvor: Bernhard Greipel von der Klinik-Technik-GmbH (KTG) vor einem Schaltschrank für die Elektroversorgung und -steuerung.

>> Die Geschichte des Heidelberger Klinikrings

Bis 1933 lagen alle Klinikgebäude „jenseits“ des Neckars im Stadtteil Bergheim. Als erste Fachklinik wurde die Chirurgische Klinik auf den Neuenheimer Campus verlagert und dort in den Jahren 1933 bis 1939 errichtet. Der Chirurgie folgte 1964 die Universitäts-Kinderklinik. 1974 siedelten die Pathologie und die übrigen Medizinisch-theoretischen Institute in den Neuenheimer Campus über.

1961 kam es zur Gründung einer „Planungsgruppe für medizinische Universitätsbauten“, deren Vorstellungen auf ein integriertes Klinikum in Neuenheim hinausliefen, in dem alle Kliniken in einem Gebäude vereint werden sollten. Geplant und umgesetzt wurde ein solches Großklinikum einige Jahre später in Aachen, wo 1985 eines der größten Krankenhausgebäude Europas eingeweiht wurde.

In Heidelberg fielen die Pläne für ein vergleichbares Mammutprojekt aufgrund fehlender finanzieller Mittel – aus heutiger Sicht zum Glück – dem Rotstift zum Opfer. Auch ein modifizierter Plan von 1966, ein gesamtes Klinikum in zwei Abschnitten – für die operativen und nicht-operativen Disziplinen – neu zu bauen, scheiterte 1975 an den begrenzten finanziellen Möglichkeiten. 1976 stellte der Ministerrat die Planungen ein – ein nahezu vollständiges Konzept wurde verworfen.

Stattdessen beschloss der Ministerrat im gleichen Jahr die Neuplanung des Klinikums in mehreren Baustufen. Die erste davon, die Kopfklinik und das Versorgungszentrum Medizin, wurden 1987 eröffnet. So entstand abweichend vom geplanten Großklinikum das Konzept des „Heidelberger Klinikrings“. Seitdem erfolgt die bauliche Realisierung des Gesamtklinikums in Einzelschritten – der Kopfklinik folgten die Medizinische Klinik (2004), die Kinderklinik (2008) und die Frauen-Haut-Klinik (2013). Die Eröffnung der neuen Chirurgischen Klinik im kommenden Jahr stellt den vorletzten Schritt zur Vollendung des Klinikrings dar. Erst mit dem 2. Bauabschnitt, der die Orthopädie und die Unfallchirurgie (derzeitiger Standort in Heidelberg-Schlierbach) beheimaten wird, wird der Klinikring auch auf Patientenebene geschlossen. Das Datum für den Baubeginn ist noch offen.

Quelle: Rhein-Neckar Zeitung vom 9. September 1987

 

 

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