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Perfekt vernetzt

7. Mai 2019

Karin Diez und Nicole Ruprecht über die Medizintechnik im Neubau Chirurgie

Im Herbst nimmt die „neue“ Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg ihren Betrieb auf. Das Gebäude setzt Maßstäbe, insbesondere, was die technische Ausstattung anbelangt. Kernstück des Neubaus ist der Operationstrakt mit 16 OP-Sälen, die digital in die Medizin- und lT-Landschaft der Klinik eingebettet sein werden. In sechs OP-Sälen wird zusätzlich ein integriertes Endoskopiekonzept umgesetzt und zwei OPs werden als Hybrid-OP ausgestattet.

Mit der Integration der hochmodernen Medizintechnik im OP- und Stationsbereich wird aus dem Neubau eine leistungsfähige Universitätsklinik. Wir sprachen mit Dr. Karin Diez, Stellvertretende Leitung Planungsgruppe Medizin, und Nicole Ruprecht, Leitung Medizintechnik, Zentrum für Informations- und Medizintechnik (ZIM), über die wichtige Bauphase.

 

Der Neubau befindet sich im Endspurt. Wie verläuft aktuell die Zusammenarbeit?

 Dr. Karin Diez: Wir treffen uns derzeit noch alle vier Wochen in der Projektsteuerungssitzung. Obwohl die Planungsphase abgeschlossen ist, ist dies wichtig, da sich in dieser Runde die Bauplaner und Verantwortlichen für die Medizintechnik konstruktiv austauschen und beraten können.

Nicole Ruprecht: Hinzu kommen viele Unterprojekte im ZIM, in denen wir uns sehr stark mit den Kliniken abstimmen. Da müssen wir relativ agil unterwegs sein, da auch viele Einzel-Absprachen erforderlich sind.

 

Inwiefern wirkt sich das auf Ihre Arbeit aus?

 Dr. Karin Diez: Bei baulichen Fragen helfen das Bauamt und wir selbstverständlich gerne weiter. Bei technischen Fragestellungen bilden wir bei Bedarf die Brücke zu den Kolleginnen und Kollegen im ZIM, aber natürlich auch zur Klinik-Technik-GmbH oder zur Klinik-Service-GmbH.

Nicole Ruprecht: Die Technik fügt sich nun quasi in das Gebäude ein. Was wir neben der Beschaffung, Aufstellung und Inventarisierung der neuen Geräte zudem sehr aktiv planen, ist der Umzug der vorhandenen Geräte. Hier sind wir ebenfalls Ansprechpartner für die Kliniken.

 

Was motiviert Sie besonders an diesem großen Projekt?

 Dr. Karin Diez: Die schrittweise Verwirklichung eines so komplexen und technisch anspruchsvollen Gebäudes hautnah mitzuerleben, ist für mich etwas Besonderes, da ich das Projekt von Anfang an begleiten durfte. Wenn wir gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Chirurgie in den neuen Räumlichkeiten oder auf dem neuen Hubschrauberlandeplatz sind, erhalten wir sehr viel positives Feedback: Das Gebäude ist hell und freundlich und bietet unseren Patienten und Mitarbeitern ein sehr gutes, technologisches Umfeld.

Nicole Ruprecht: Mich fasziniert besonders der moderne, vernetzte OP-Bereich. Schon die Verkabelungen hinter den Wänden kündigt den Quantensprung in der OP-Technik an. Auch die robotergestützten Angiographiesysteme sind sehr beeindruckend. Für die Medizintechniker ist es extrem spannend, diese innovative Technik zukünftig im Service begleiten zu dürfen.

 

„Die Medizintechnik ermöglicht eine Patientenversorgung und professionelle Arbeitsabläufe auf höchstem Niveau. Die neuen Softwarelösungen und die durchdachte Infrastruktur werden viele Verbesserungen für unsere Patienten und Mitarbeiter mit sich bringen.“

Professor Dr. Markus W. Büchler, Geschäftsführender Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg und Leiter des Europäischen Pankreaszentrums

 

Medizintechnik auf einen Blick:

– Rund 6.000 medizintechnische Geräte insgesamt.

– Verschiedene Bild- und Patienteninformationen, auch aus dem Krankenhaus-Informationssystem (KIS), werden im OP in bester Bildqualität zur Verfügung gestellt.

– Übertragung von Statusinformationen auch an Monitore außerhalb des OPs.

– Zentrale Bedienung über „touch“-fähige Monitore:

    • Steuerung medizintechnischer Geräte und OP-Tische
    • Regelung der OP-Leuchten und Einstellung der Raumbeleuchtung
    • Auswahl benötigter Bildquellen
    • Kommunikation zwischen den OP-Sälen
    • Übertragung in den Hörsaal
    • Modernste Bild- und Videotechnik für die minimal-invasiven Eingriffe

– „Daten-Logger“ sammelt technische Informationen für Forschung und Entwicklung

– Zwei OPs werden als Hybrid-OP ausgestattet. Dabei kommt das robotergestützte Angiographiesystem „Artis Pheno“ zum Einsatz, welches erst im 2. Quartal 2019 auf den Markt kommt.

– Es ist geplant, einen OP zum „OP 4.1“ auszubauen, dessen prototypische Ausstattung sich aus dem gleichnamigen Innovations-Projekt (Urologische Universitätsklinik) ergibt. Das Förderprojekt OP 4.1 ist Teil des Technologieprogramms „Smart Service Welt II“, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert wird.

 

Weitere technische Neuheiten:

– Patientenmonitore der neuesten Generation.

– System zur Verteilung von Alarmen auf mobile Endgeräte.

– Neuer 3-Tesla-MRT und neues Dual-Source-CT.

– Neue Infusionsgeräte mit zentraler Steuerung.

– QR-Code-Aufkleber für alle Geräte zur Realisierung digitaler Prozesse.

 

„Die eingesetzten Technologien ermöglichen eine optimale Unterstützung der Operateure im OP. Zusätzlich arbeiten wir in Projekten wie ‚InnOPlan‘ oder ‚OP4.1‘ an neuen digitalen Lösungen für den OP der Zukunft.“

Professor Dr. Markus Hohenfellner, Ärztlicher Direktor der Urologischen Universitätsklinik Heidelberg

 

Bildzeile oben:

Dr. Karin Diez, Planungsgruppe Medizin (li.), und Nicole Ruprecht, Leitung Medizintechnik, bei einer gemeinsamen Besprechung in einem der OP-Säle.

Unser Titelbild der KlinikTicker-Ausgabe 01/2019, aufgenommen im März 2019, zeigt einen der zukünftigen OP-Säle im Neubau Chirurgie. Als Kernstück ist der Operationstrakt mit 16 OP-Sälen digital mit der Medizin- und lT-Landschaft der Klinik vernetzt. An der Decke des OPs sind mehrere dreidimensional bewegliche Armsysteme mit Mediensäulen befestigt. Daran lassen sich z. B. Monitore, Perfusoren oder Anschlüsse zur Gabe medizinischer Gase befestigen. Über die Monitore werden verschiedene Bild- und Patienteninformationen, auch aus dem Krankenhaus-Informationssystem (KIS), im OP in bester Bildqualität zur Verfügung gestellt. „Touch“-fähige Monitore erlauben eine Steuerung der medizintechnischen Geräte und OP-Tische. Auf dem Boden steht, noch sorgsam eingepackt, die Tischsäule, an der später der OP-Tisch befestigt wird. Er ist frei beweglich, so dass man den Patienten je nach OP in die optimale Position für den Eingriff bringen kann.

 

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