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Das „Medical Intervention Car“ – eine Revolution im Rettungsdienst?

7. Mai 2019

von Prof. Dr. Erik Popp, Klinik für Anästhesiologie, Leiter der Sektion Notfallmedizin

Bei der Formel 1 gibt es sie schon seit über 20 Jahren, und auch bei Rallyes und anderen großen Motorsportereignissen sind sie nicht mehr wegzudenken: Die „Medical Intervention Cars“, besondere Rettungsfahrzeuge, die dank entsprechender Expertise der Notfallmediziner und adäquater technischer Ausstattung für eine höhere Überlebensrate sorgen.

Sind die positiven Erfahrungen aus dem Motorsport auch auf Unfälle im Straßenverkehr und den Rettungsdienst übertragbar? Wir – die Sektion Notfallmedizin – sind der Meinung ‚ja‘ und werden im Frühjahr 2019 unser Projekt zur Einführung eines „Medical Intervention Cars“ (MIC) am Universitätsklinikum Heidelberg starten.

Äußerlich unterscheidet sich das MIC nicht von einem herkömmlichen Rettungsfahrzeug. Es sind vielmehr die inneren Werte, die überzeugen. So ist das MIC mit einem speziellen Katheter ausgerüstet, um Blutungen der Aorta direkt vor Ort mittels Ballon verschließen zu können. Größere Blutverluste des Patienten können dank mittransportierter Blutkonserven unmittelbar ersetzt werden. Ein Videolaryngoskop ermöglicht dem Arzt ein um 30° vergrößertes Blickfeld und erleichtert so die Intubation auch in schwierigen Situationen. Eine Reanimationshilfe führt die Kompressionen des Thorax während der Reanimation selbständig durch. Zusätzlich verfügen die zum Einsatz kommenden Notärzte neben der Zusatzbezeichnung Notfallmedizin über zahlreiche weitere Qualifikationen.

„Vision sollte es sein, dieses besondere Einsatzfahrzeug dauerhaft für den Rettungsdienst zu etablieren.“

Das MIC soll nur dann eingesetzt werden, wenn der Patient z. B. nicht schneller mit einem Rettungshubschrauber in die geeignete Klinik gebracht werden kann. Es versteht sich als Möglichkeit, die notärztlichen Kollegen vor Ort zu unterstützen. Eine Schulung der Notärzte, bei welchen Verletzungen diese das MIC anfordern können, erfolgt im Rahmen des Projekts.

Das Fahrzeug, ein Volvo V90 CC, wird zunächst von Montag bis Freitag von 7 bis 17 Uhr an der Chirurgischen Klinik stationiert. Ein Facharzt für Anästhesiologie mit diversen Zusatzqualifikationen wird nach einem absolvierten Fahrsicherheitstraining das MIC als Selbstfahrer besetzen. Durch das MIC entstehen keine Kosten für den Rettungsdienst. Neben Volvo und zahlreichen Firmen, die das Fahrzeug und Equipment stellen bzw. die Anschaffung unterstützen, werden die Klinik für Anästhesiologie und die Sektion Notfallmedizin die weiteren Kosten übernehmen.

Das Projekt ist zunächst auf zwei Jahre angelegt und wird wissenschaftlich begleitet. Wir werden untersuchen, inwieweit die Versorgung der Bevölkerung verbessert werden kann. Es wäre eine Revolution für den Rettungsdienst, wenn Todesfälle, die sonst aufgrund fehlender Ressourcen oder Expertise eintreten würden, so möglicherweise vermieden werden könnten. Vision sollte es sein, dieses besondere Einsatzfahrzeug dauerhaft für den Rettungsdienst zu etablieren.

Mittlerweile wurde das neue Einsatzfahrzeug an die Sektion Notfallmedizin übergeben. V. l. n. r.: Prof. Erik Popp, Leiter Sektion Notfallmedizin, Prof. Markus A. Weigand, Ärztlicher Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Dr. Niko Schneider, Sektion Notfallmedizin, Thomas Bauch, Geschäftsführer der Volvo Car Germany GmbH.

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