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Krankengymnastik gestern und heute

23. Oktober 2018

75 Jahre Schule für Physiotherapie in Heidelberg-Schlierbach

Warum die Wahl auf Schlierbach fiel, ist nicht bekannt. Fakt ist, dass die staatliche Kölner Krankengymnastikschule, nachdem sie im Zweiten Weltkrieg bei einem schweren Bombenangriff auf die Domstadt zerstört wurde, im Oktober 1943 im Wielandheim („Landeskrüppelheim“) auf dem Gelände der Orthopädischen Klinik untergebracht wurde.

In den vergangenen 75 Jahren haben sich Lehre, Methoden und Berufsverständnis in der Krankengymnastik bzw. Physiotherapie – wie bei anderen medizinischen Berufen – stark gewandelt und weiterentwickelt. Während der Weltkriege war es noch Hauptaufgabe der Krankengymnastinnen, die Wehrtüchtigkeit wiederherzustellen. Die Verletzten in den Lazaretten mussten bewegungstherapeutisch versorgt und im Gebrauch von Prothesen, Rollstühlen und orthopädischen Hilfsmitteln geschult werden, damit sie wieder eine im Krieg nützliche Aufgabe übernehmen konnten. Die in der Regel weiblichen Krankengymnastinnen waren dabei Helferinnen der Orthopäden, die auf Anweisung des Arztes behandelten und dessen Korrespondenz erledigten.

„Dieses Selbstverständnis sicherte zwar früh die Akzeptanz und Bedeutung der Physiotherapie im Gesundheitswesen, blockierte aber auch lange die Entwicklung hin zu einem eigenständigen therapeutischen Beruf“, sagt Barbara Suppé, die seit 23 Jahren Leiterin der Physiotherapie-Schule am Universitätsklinikum Heidelberg ist. „Trotz einschneidender Weiterentwicklungen der Behandlungsmethoden und Konzepte, trotz einheitlicher Berufsbezeichnungen nach der Wende und dem Beginn der Akademisierung der Ausbildung Ende der 1990er Jahre sind wir immer noch auf dem Weg, ein eigenständiges Profil zu etablieren.“

„Die Physiotherapie ist immer noch auf dem Weg, ein eigenständiges Profil zu etablieren.“

Barbara Suppé, Leiterin der Physiotherapie-Schule in Heidelberg-Schlierbach

Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist der Modellstudiengang „Interprofessionelle Gesundheitsversorgung“ an der Universität Heidelberg und der Akademie für Gesundheitsberufe AfG. Angehende Physiotherapeutinnen und -therapeuten können hier eine Ausbildung mit zwei Abschlüssen absolvieren, dem Berufsabschluss als Physiotherapeut sowie dem akademischen Grad „Bachelor of Science“.

Ganz am Anfang – vor allem in Deutschland – steht allerdings noch die Entwicklung eines eigenständigen Forschungsprofils. „In Deutschland gibt es so gut wie keine unabhängige und gleichberechtigte physiotherapeutische Forschung. Da muss und wird sich in den nächsten Jahren noch sehr viel ändern“, ist Suppé überzeugt.

Weitere Informationen zur >> Schule für Physiotherapie und zur >> Ausbildung

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