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Gipfeltreffen und Patiententag Haarzell-Leukämie in Heidelberg

28. Mai 2016

Seit 2010 treffen sich einmal im Jahr international führenden Wissenschaftler und Ärzte, die sich speziell mit der Haarzell-Leukämie beschäftigen, um ihre neusten Forschungsergebnisse auszutauschen und kooperative Projekte zu planen. Dieses wissenschaftliche Treffen fand vom 20. Mai bis 21. Mai 2016 zum ersten Mal außerhalb der USA in Heidelberg statt.

Verantwortlich für den Artikel ist Professor Dr. med. Anthony D. Ho, Ärztlicher Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie, Universitätsklinikum Heidelberg

Initiiert wurde diese Jahrestagung von der amerikanischen „Hairy Cell Leukemia Foundation“. Diese entstand aus einer Kooperation zwischen dem internationalen Haarzell-Leukämie-Konsortium (Leiter: Brian Friedman, New York, New York und Prof. Michael Grever, Columbus, Ohio) und der Haarzell-Leukämie-Wissenschafts-Stiftung (Prof. Harvey Golomb, Chicago, Illinois) im Jahre 2005. Insgesamt 49 renommierte Hämatologen kamen am 20. Mai 2016 aus allen Teilen der Erde zusammen.

Obwohl es sich bei der Haarzell-Leukämie um eine sehr seltene Erkrankung handelt und sie erst im Jahr 1958 zum ersten Mal beschrieben wurde, stellt der stetig steigende Therapieerfolg speziell bei diesem Leiden in den letzten 25 Jahren ein hervorragendes Modell für die Entwicklung innovativer Behandlungsstrategien für andere Krebsarten dar. Noch bis 1985 galt die Erkrankung als unheilbar. Mit der Entwicklung einer damals neuen Klasse von Medikamenten, den Purinanaloga, konnte erstmals eine langfristige Krankheitsfreiheit bei ca. 80 Prozent der Patienten sowie eine fast normale Lebenserwartung erzielt werden. Die Medizinische Klinik V war bei der Entwicklung von Pentostatin, einem der wirksamsten Purinanaloga bei Haarzell-Leukämie, unter Federführung von Prof. Anthony D. Ho, damals leitender Oberarzt der Abteilung, entscheidend beteiligt.

Seit fünf Jahren ist es außerdem Tradition, dass am zweiten Tag dieser Veranstaltung ein Patiententag stattfindet. Dieses Mal beteiligten sich insgesamt über 80 Patienten an der Tagung. Experten berichteten in gut verständlicher Form über neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Haarzell-Leukämie. Die Redner zählen zu den führenden internationalen Experten. Die Vorträge fanden auf Englisch statt und wurden unmittelbar von einem deutschsprechenden Arzt simultan übersetzt. Neben spannenden Vorträgen wurden parallele Patienten-Seminare angeboten, die ebenfalls simultan ins Deutsche übersetzt wurden. Die Patienten nutzten lebhaft die einmalige Gelegenheit für individuelle und direkte Fragen an die Spitzen-Experten. Diese direkte Wechselwirkung zwischen international renommierten Experten, die viele Patienten aus der Weltliteratur kennen, hat zum besseren Verständnis seitens der Forschenden für die Bedürfnisse der betroffenen Patienten und ihren Angehörigen geführt. Viele Forscher haben bestätigt, dass diese Begegnung zu völlig neuen, innovativen Therapie-Konzepten geführt hat.

Im Augenblick werden Patienten mit Haarzell-Leukämie mit Purinanaloga, eventuell kombiniert mit Anti-CD20-Antikörpern, und Milzentfernung behandelt. In den letzten Jahren sind BRAF-Inhibitoren, Ibrutinib, und Moxie in das moderne Arsenal gegen resistente, fortgeschrittene Haarzell-Leukämie hinzugekommen. Ob die neuen Substanzen Einzug in die Routinebehandlung von Patienten mit Haarzell-Leukämie finden werden, ist zur Zeit unklar und Gegenstand klinischer Studien. In Einzelfällen, insbesondere bei Patienten, die nicht auf die Standardtherapie ansprechen, sollte aber auch jetzt schon an diese Möglichkeit gedacht werden.

Basierend auf der Häufigkeit der BRAF Mutation in Position V600E (fast 99%) als charakteristische Genveränderung für Haarzell-Leukämie war die Wirksamkeit dieser Substanzklasse zu vermuten. Unter der Leitung von Dr. Sascha Dietrich, inzwischen Oberarzt der Medizinischen Klinik V und Junior-Professor der Abteilung, gelang es unserer Abteilung im Jahr 2014 die Wirksamkeit eines spezifischen BRAF-Hemmers (Wirkstoff: Vemurafenib) bei Haarzell-Leukämie nachzuweisen. Der Fallbericht wurde im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

>> Informationen zur Haarzell-Leukämiestiftung

 

 

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