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“Stem Cell Therapy – Facts and Myths“

11. April 2016

Bericht über das internationale wissenschaftliche Symposium „Stem Cell Therapy – Facts and Myths“ der Klinik Innere Medizin V des Universitätsklinikums Heidelberg vom 31.03.- 02.04.2016

Für den Artikel sind die Autoren verantwortlich: Prof. Dr. Peter Dreger und Dr. Patrick Wuchte, Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie, Universitätsklinikum Heidelberg

Der 30. Jahrestag der ersten autologen peripheren Blutstammzelltransplantation in Heidelberg, sowie 12 Jahre überaus erfolgreiche Förderungspolitik der Landesstiftung Baden-Württemberg für Stammzellforschung waren gleich zwei gewichtige Gründe zu feiern. Was bot sich da Besseres an, als dies in einem gemeinsamen Symposium in Heidelberg zu bündeln? Drei Tage lang trafen sich hochrangige Wissenschaftler aus dem In- und Ausland, um gemeinsam auf die Leistungen in der Stammzellforschung und der klinischen Entwicklung der Stammzelltherapie zurückzublicken, eine Bestandsaufnahme über aktuelle Forschungsthemen vorzunehmen sowie einen Ausblick auf die Zukunft zu wagen.

Donnerstag, der 31.03.16, war ganz dem Satellitensymposium der Landesstiftung Baden- Württemberg gewidmet. In den Räumlichkeiten der Neuen Aula der Universität eröffneten Herr Christoph Dahl, der Geschäftsführer der Landesstiftung Baden-Württemberg, und Herr Prof. Wolfgang Herzog, der Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg, die Veranstaltung. Beide waren sich einig, dass die zurückliegenden 12 Jahre der Forschungsförderung im Bereich der Stammzellbiologie und Stammzelltherapie eine Erfolgsgeschichte sind. In drei Sitzungen wurden die Themen Stammzellen des Nervensystems, Stammzellen des blutbildenden Systems und Reprogrammierung von Stammzellen in insgesamt 11 Beiträgen von Forschern aus Baden-Württemberg beleuchtet, deren Arbeiten von der Landesstiftung gefördert worden waren. Besondere Glanzpunkte setzten die Keynote Lectures von Herrn Prof. Toshio Suda (Tokyo, Japan) über die Kontrolle des Wachstums und Ausreifung von Blutstammzellen, sowie von Herrn Prof. Armand Keating (Toronto, Kanada) über die Bedeutung mesenchymaler Stammzellen für die regenerative Medizin.

Am Abend folgte dann der Festakt zur Ehrung von Herrn Professor Dr. med. Anthony D. Ho in der Alten Aula der Universität. Nach sieben Grußworten von Herrn Prof. Gisbert Freiherr zu Putlitz als ehemaligen Rektor der Universität Heidelberg (1983-1987), Frau Dr. Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Frau Prof. Maria Böhmer, MdB, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Herrn Dr. Eckhart Würzner, Oberbürgermeister der Stadt Heidelberg, Frau Irmtraut Gürkan, Kaufmännische Direktorin des Universitätsklinikums Heidelberg, Herrn Prof. Wolfgang Herzog, Dekan der Medizinischen Fakultät Heidelberg und Herrn Prof. Harald zur Hausen, dem Nobelpreisträger für Medizin 2008 und Vorsitzenden des Stiftungsvorstandes vom DKFZ (1983-2003), folgte eine Keynote Lecture von Herrn Prof. Thomas Holstein, Präsident der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, zum Thema „Stammzellen – Motor des Lebens“.

Anschließend diskutierte Herr Prof. Klaus Tanner, Vorsitzender der Zentralen Ethikkommission für Stammzellforschung, in seinem Redebeitrag die Frage „Wie viel Realismus verträgt die Forschungsförderung? Stammzellförderung im Spannungsfeld von Wissenschaft und Wirtschaftlichkeit“. Das abschließende Interview mit Herrn Sebastian Gärtner, dem ersten Patienten, der damals vor 30 Jahren eine autologe Blutstammzelltransplantation in Heidelberg erhalten hatte, war ein weiterer Glanzpunkt des Festaktes. Herr Gärtner schilderte eindrücklich, wie er dieses medizinhistorische Ereignis aus Patientensicht erlebt hatte. Bewundernswert waren die Aufgeschlossenheit, mit der er dieser damals noch völlig neuen und unerprobten Prozedur entgegenblickte und die feste Verbundenheit, die er bis heute mit Herrn Prof. Anthony D. Ho als einen der behandelnden Ärzte pflegt.

Professor Ho und Sebastian Gärtner Quer

Sebastian Gärtner (li,), der vor 30 Jahren als einer der erstern Patienten eine autologe Blutstammzelltransplantation in Heidelberg erhielt, und Prof. Anthony D. Ho, Ärztlicher Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie.

Am Freitag, den 01.04.16, wurde das Symposium im großen Hörsaal der Medizinischen Klinik im Neuenheimer Feld fortgesetzt. Den Auftakt bildete ein Übersichtsvortrag von Herrn Prof. Hans Schöler (Münster) mit einem Überblick über Fortschritte und Potenzial der Stammzellforschung. In vier Sitzungen wurden dann die molekularen Mechanismen der Stammzellbiologie, sowie auch neue Entwicklungen bei der Stammzelltransplantation thematisiert. Abschließend fand die Keynote Lecture von Herrn Prof. Richard Champlin (Houston, USA) zum Thema „Fortschritte dank alternativer Stammzellspender: kann nun für jeden Patienten ein optimal passendes Transplantat gefunden werden?“ großen Anklang.

Am Samstag, den 02.04.16, wurde zunächst das Thema Altern und dessen Zusammenhang mit Stammzellerkrankungen besprochen. Hier wurden Heidelberger Ergebnisse vom Europäischen Molekularbiologielabor (EMBL), wie auch von Mitgliedern des Stammzell- Sonderforschungsbereichs (SFB) 873 vorgetragen, die erneut deutlich machten, welche enormen Fortschritte dank moderner molekularer Forschungsmethoden möglich wurden. Die zweite Sitzung war der klinischen Anwendung gewidmet, insbesondere wurde die Rolle der autologen Stammzelltransplantation beleuchtet, u.a. auch für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen. Die letzte Sitzung des Symposiums befasste sich mit neuartigen zell- und immuntherapeutischen Verfahren: Zunächst stellte der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, Herr Prof. Klaus Cichutek, die derzeit in Genehmigungsverfahren befindlichen zellbasierten Medizinprodukte aus Sicht der Bundesoberbehörde dar. Den Abschluss bildete der Vortrag von Prof. Malcom Brenner (Houston, Texas) der über die Entwicklung von sogenannten CAR-T-Zellen (chimeric antigen receptor T-cells) zur Behandlung von Krebserkrankungen sprach.

Welche enormen Fortschritte in der Stammzellforschung und –therapie in Heidelberg erreicht wurden, nicht zuletzt in der Medizinischen Klinik V unter der ärztlichen Leitung von Herrn Prof. Dr. Anthony Ho, der im kommenden Jahr die Leitung der Klinik in jüngere Hände geben wird, belegte dieses Symposium sehr eindrücklich.

 

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