Aus den Kliniken

„Sicher wie die Pille – wenn man sich an die Regeln hält“

Dr. Petra Frank-Herrmann zu ihrer Studie über natürliche Empfängnisverhütung, die weltweit Schlagzeilen machte

Von der New York Times bis zur britischen BBC – im Februar 2007 brachten die Medien weltweit eine Meldung zu einer Heidelberger Studie: „Natürliche Empfängnisverhütung genauso sicher wie die Pille“.

 

Dr. Petra Frank-Herrmann
Dr. Petra Frank-Herrmann

Dies ist das Ergebnis der Studie unter der Leitung von Dr. Petra Frank-Herrmann, Ärztin und wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen (Ärztlicher Direktor Professor Dr. Thomas Strowitzki) der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg.  Seit 1985 haben 900 Studienteilnehmerinnen während 17.638 Zyklen die so genannte symptothermale Methode (STM) angewendet, eine Kombination aus Messung der Körpertemperatur, Beobachtung des Zervixschleims und Anpassung des sexuellen Verhaltens an die festgestellten fruchtbaren (fertilen) oder unfruchtbaren Tage. Jedes Jahr traten 0,4 Schwangerschaften pro 100 Frauen auf, wenn kein Verkehr in der fruchtbaren Phase stattfand; 0,6 Schwangerschaften pro 100 Frauen pro Jahr wurden verzeichnet, wenn geschützter  Verkehr in der fruchtbaren Phase stattfand. Beide Varianten bedeuten eine konsequente Anwendung – nämlich Verzicht auf ungeschützten Verkehr in der fertilen Phase. Die Gesamtrate lag bei 1,8 Schwangerschaften pro 100 Frauen pro Jahr, also inklusive der inkonsequenteren Methodenanwender.


Der KlinikTicker sprach mit Dr. Frank-Herrmann:

KlinikTicker: Frau Dr. Frank-Herrmann, was ist für Sie das herausragende Ergebnis der Studie?
Dr. Petra Frank-Herrmann:
Die hohe Anwendungssicherheit unserer natürlichen Verhütungsmethode. Die Teilnehmerinnen haben täglich ihre Temperatur gemessen und den Zervixschleim beobachtet, der umso flüssiger wird, je mehr sich eine Frau dem Eisprung nähert. Beide Indikatoren sichern sich gegenseitig ab: Zervixschleim und eine an Temperaturanstiegen orientierte Rechenregel werden als Anzeichen für den Anfang des fertilen Fensters genommen; Zervixschleim und Körpertemperatur markieren wiederum dessen Ende. Ein überraschend großer Teil der Studienteilnehmerinnen stützte sich allein auf die STM und verzichtete auf Sexualverkehr während der diagnostizierten fruchtbaren Tage. Ein anderer Teil benutzte während der fruchtbaren Tage beim Sexualverkehr ein Kondom – aber auch in dieser Gruppe stieg die Zahl der ungewollten Schwangerschaften kaum merklich an. Diese guten Ergebnisse schreiben wir unserer intensiven Schulungstätigkeit und der daraus resultierenden Kompetenz der Frauen zu.

KlinikTicker: „Enthaltsamkeit während der fruchtbaren Tage“ klingt altmodisch oder zumindest unbequem. Wer hat bei dieser Studie mitgemacht?

Dr. Petra Frank-Herrmann:
Die meisten Teilnehmerinnen waren junge Frauen zwischen 20 und 30 Jahren. Für diese Generation ist die Pille ein „alter Hut“ und die kontrazeptive Revolution der 1960er und 1970er Jahre längst Geschichte. Sie finden alternative Methoden wie die STM hingegen neu und interessant. Die Frauen erarbeiteten sich im Verlauf der Studie eine hohe Kompetenz in Bezug auf ihre Fruchtbarkeit und allgemein hinsichtlich der Wahrnehmung ihres Körpers. Ihr Körper ist keine „Black Box“ mehr, die nur der Gynäkologe kennt.

KlinikTicker: Warum hat die Natürliche Familienplanung (NFP) Ihrer Meinung
nach einen so schlechten Ruf?

Dr. Petra Frank-Herrmann:
Viele schätzen das „fertile Fenster“, also die fruchtbare Zeit, zu kurz oder zeitlich falsch ein. Außerdem schwankt das fertile Fenster auch im normalen Zyklus mehr, als man denkt. Ohne wissenschaftlichen Hintergrund und genaue Beobachtung sind Methoden der Natürlichen Familienplanung also ungenau. Mit unserer symptothermalen Methode haben wir dagegen die fruchtbaren Tage genau diagnostiziert, auch unter Stress oder anderen zyklusverändernden Lebens­umständen.

KlinikTicker: Wie setzen Sie die Ergebnisse nun um?
Dr. Petra Frank-Herrmann:
Wir bieten eine Sprechstunde für Frauen an, die die Methode erlernen möchten. Außerdem haben wir eine neue Kollegin, die im Projektbüro Natürliche Familienplanung zweimal in der Woche Anfragen in Bezug auf Ausbildung und Projekte beantwortet. Und schließlich bilden wir demnächst Berater für Natürliche Familienplanung (NFP) aus. Frauen und Männer mit medizinischer Ausbildung können sich an acht Samstagen im Jahr mit Abschlussprüfung zum NFP-Berater ausbilden lassen und ihre Dienste dann in Schulen oder Organisationen auf Honorarbasis anbieten.     GE

Weitere Infos

Sprechstunde NFP der Hormon-Ambulanz in der Frauenklinik: Mittwoch 12 bis 16 Uhr, Tel.: 79 34

Projektbüro NFP: Rosemarie Stahn (Dienstag und Donnerstag 10 bis 12 Uhr erreichbar)
Anfragen zur Ausbildung NFP-Berater: rosemarie.stahn@med.uni-    heidelberg.de

Fachinformationen auf der Internet­seite der Frauenklinik unter:
 „Schnell­einstieg“ und dann
„Natürliche Familienplanung“

 

 

Opens internal link in current window« Seite 8

9

Opens internal link in current windowSeite 10 »