Aus den Kliniken

Ehrendoktorwürde für zwei Heidelberger Mediziner

Universität Tiflis ehrt erfolgreiche Behandlung eines nierenkranken Jungen

Nikolos (12) geht es wieder gut: Seit August 2006 lebt der nierenkranke georgische Junge mit einer Niere, die seine Mutter ihm gespendet hat. Der Neustart ins Leben gelang mit Hilfe zweier Mediziner aus dem Klinikum: Professor Dr. Jan Schmidt, Sektionsleiter Viszerale Chirurgie an der Chirurgischen Universitätsklinik und Leiter des Transplantationszentrums Heidelberg, transplantierte das Organ. Zuvor wurde der Junge jahrelang via Telefon und E-Mail von Professor Dr. Franz Schaefer, Sektionsleiter Pädiatrische Nephrologie und Leiter des Nierenzentrums für Kinder und Jugendliche, betreut.

Nach der gelungenen Operation reisten die beiden Heidelberger Professoren auf Einladung des georgischen Gesundheitsministeriums in das zwischen Russland und der Türkei gelegene Land, das so groß ist wie Bayern, und besuchten dort verschiedene Kliniken. Die Verleihung der Ehrendoktorwürde der State Medical University Tiflis im Rahmen dieser Reise war für die beiden deutschen Gäste eine Überraschung.

Professor Dr. Franz Schaefer
Professor Dr. Franz Schaefer

Der Einsatz der beiden Mediziner wurde auch mit gesellschaftlichen Ehren belohnt: Sandra Roelof, die aus den Niederlanden stammende Ehefrau des georgischen Staatspräsidenten Micheil Saakaschwili, lud zum Abendessen ein. Ein Anlass, bei dem es nicht nur um die Probleme des georgischen Gesundheitswesens ging – im Laufe des Abends sang die First Lady den Gästen aus Deutschland auch einige georgische Volkslieder vor.

„In Georgien gibt es einen großen Nachholbedarf, was neue Behandlungsmethoden angeht. Die Kollegen dort sind sehr interessiert an einem Austausch“, sagt Nierenspezialist Professor Schae­fer. So blieb die Kurzreise der beiden Heidelberger nicht ohne Folgen: Eine weitere Nierentransplantation, die von den georgischen Medizinern als zu riskant angesehen wurde, führte der Chirurg Professor Schmidt vor Ort gleich am folgenden Tag erfolgreich durch.

Der Kontakt mit Georgien begann vor rund drei Jahren, als in Deutschland lebende Bekannte von Nikolos hilfesuchend Kontakt zum Nierenzentrum für Kinder und Jugendliche an der Universitätsklinik Heidelberg aufnahmen. Nikolos, der mit zwei fehlgebildeten (dysplastischen) Nieren geboren wurde, ging es immer schlechter. Professor Schaefer, der Leiter des Nierenzentrums, ließ sich Untersuchungsergebnisse und Laborwerte schicken, beriet per E-Mail und Telefon. Abrechnen lässt sich so eine Beratung nicht, wer sich auf diese Weise um einen fernen Patienten kümmert, tut das aus sozialem Engagement. „Wir haben mittlerweile eine bis drei Anfragen pro Woche, in denen Betroffene aus anderen Ländern um unseren medizinischen Rat bitten“, sagt Professor Schaefer. „Hier schlägt die Globalisierung voll durch – wer sich halbwegs mit Suchmaschinen auskennt und einen Internetzugang hat, kann direkt Kontakt aufnehmen.“ Für die Ärzte führt dieses neue Phänomen zu Schwierigkeiten: Das soziale Engagement wird als richtig und wichtig angesehen, kostet aber im stressi­gen Klinikalltag auch viel Zeit. Professor Schaefer: „Wir versuchen zu helfen. Aber die enorme Zunahme von Anfragen ist problematisch.“

Professor Dr. Jan Schmidt
Professor Dr. Jan Schmidt

Die Heidelberger Mediziner möchten die Zusammenarbeit mit Georgien fortsetzen. Im Sommer dieses Jahres wird Professor Schaefer wieder dorthin reisen, bei einer Fortbildung in Nephrologie einen Vortrag halten und junge Patienten untersuchen. Veraltete Behandlungsmethoden, leere Kassen und eine gewaltige Auswanderungswelle sind seiner Ansicht nach Ursachen für die Probleme im georgischen Gesundheitssystem. „Die klügsten Köpfe nehmen an Studien- und Austauschprogrammen teil  und bleiben dann häufig gleich im Ausland, weil sie dort bessere Chancen für sich sehen“, so Professor Schaefer. Seit der Unabhängigkeit Georgiens im Jahr 1991 hat rund eine Million Menschen das Land verlassen. Allein zwischen 2000 und 2005 ging die georgische Bevölkerung jährlich um etwa ein Prozent zurück.

Claudia von See

 

 

 

Daten und Fakten


Die Sektion Pädiatrische Nephrologie an der Universitäts-Kinderklinik Heidelberg ist eine der größten universitären Einrichtungen zur Betreuung von Kindern mit Nierenkrankheiten in Deutschland.

Jährlich stellen sich mehr als 300 junge Patienten neu vor. Rund 5000 ambulante Besuche verzeichnet die Station pro Jahr, circa 600 Kinder mit Nierenerkrankungen bleiben stationär in der Klinik.

Acht bis zehn Kinder werden jedes Jahr neu in das Dialyse- und Transplantationsprogramm aufgenommen. Pro Jahr werden circa 15 Nierentransplantationen in Zusammenarbeit mit dem Transplantationszentrum der Chirurgischen Universitätsklinik bei Kindern und Jugendlichen durchgeführt.

 

 

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