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Den Pflegeberuf fit für die Zukunft machen

16. Mai 2018

Im HEP-Projekt „Themencafé“ treffen sich Mitarbeiter mit unterschiedlichen Erfahrungen, Ausbildungsgraden und Altersklassen 

Was macht den Pflegeberuf attraktiv? Wie lassen sich die aktuellen Herausforderungen bewältigen? Und wie kann man das Image der Pflege fördern? Während eine politische Aufwertung des Berufs gerade erst in den Startlöchern steht, geht man am Universitätsklinikum Heidelberg einen proaktiven Weg. Bereits seit Ende 2016 gibt es – initiiert von der Pflegedirektion – das Strategieprojekt „Heidelberger Expertise in der Pflege“ (HEP). Nach dem Motto „von der Pflege für die Pflege“ soll HEP dazu beitragen, die Professionalisierung des Berufes am Klinikum voranzutreiben.

Eines der im Rahmen von HEP gestarteten Projekte sind die „Themencafés“. Anja König, Leiterin der Stabstelle für Qualität und Entwicklung in der Pflege und Projektleitung für das HEP-Projekt, erklärt: „Wertschätzung, Mitgestaltung und der Wunsch nach Informationen stehen bei unseren Pflegenden ganz oben auf der Agenda. Das haben uns die Mitarbeiterumfragen der letzten Jahre deutlich gezeigt. Insofern stellen die Themencafés eine tolle Möglichkeit der Mitarbeiterbeteiligung dar.“

Die Cafés stehen unter dem Titel „Wir gestalten Pflege“ und bieten allen betroffenen Berufsgruppen ein Forum, um in angenehmer Atmosphäre aktuelle Themen zu diskutieren und miteinander ins Gespräch zu kommen. In einzelnen Zentren fand bereits ein erster Termin statt. Die Besucher waren eingeladen, sich mit möglichst vielen Kollegen mit unterschiedlichen Erfahrungen, Ausbildungsgraden und Altersklassen auszutauschen. Jedes Themencafé steht unter einem vorher festgelegten Motto. In der ersten Runde war es das Stichwort „Skills- und Grademix – Wie sieht die Pflege der Zukunft aus?“ Das Zusammenführen von Mitarbeitern mit unterschiedlichen Qualifikationen und Kompetenzen ist eines der aktuellsten Themen in der Pflege. Denn gut fort- und weitergebildete Mitarbeiter können ihre Kompetenzen im Alltag nicht immer anwenden, oft überschneiden sie sich mit ärztlichen Zuständigkeitsbereichen. Dazu kommt: Die Teams setzen sich aus 3-jährig examinierten Pflegekräften mit und ohne Fachweiterbildung, Azubis und akademischen Pflegekräften zusammen. Für Rayk Oemus, stellvertretender Pflegedienstleiter der Kopfklinik und Sprecher der HEP-Projektgruppe Marketing, ist dies Herausforderung und Chance zugleich: „Das beschäftigt die Leute und wird im Klinikalltag immer wichtiger werden. Es gilt, die Aufgaben- und Ressourcenverteilung klar zu vereinbaren.“ 

„Die gemeinsamen Diskussionen mit Angehörigen mehrerer Berufsgruppen waren konstruktiv, wertschätzend und bereichernd.“

Marion Klund, Diplom-Pflegepädagogin an der Akademie für Gesundheitsberufe

Marion Klund besuchte das erste Themencafé in der Kopfklinik. Die Diplom-Pflegepädagogin an der Akademie für Gesundheitsberufe erhoffte sich einen regen Erfahrungs- und Meinungsaustausch zu ihr noch unbekannten Themenfeldern und wurde nicht enttäuscht. Sie sagt: „Wir wurden herzlich empfangen, die gemeinsamen Diskussionen mit Angehörigen mehrerer Berufsgruppen in wechselnder Zusammensetzung habe ich als konstruktiv, wertschätzend und bereichernd empfunden.“ Das Kernthema, so findet sie, konnte facettenreich und aus verschiedenen Perspektiven besprochen werden.

Im Schnitt kamen 30 bis 40 interessierte Besucher. „Viele haben sich eingebracht, das hätte ich so nicht erwartet“, so Rayk Oemus, der das Konzept gemeinsam mit Julia Kary und Anja König entwickelt hat. Auch angrenzende Berufsgruppen wie Versorgungsassistenten oder Ausbilder wie Marion Klund nahmen die Einladung an. Sie zieht für sich eine durchweg positive Bilanz. „Das hat großen Spaß gemacht und war kurzweilig. Ich kann mir vorstellen, nochmals ein Themencafé zu besuchen und dort mitzuwirken.“

Pflege für junge Menschen interessant und attraktiv gestalten

Cedric Mingham würde sich darüber freuen. Der Gesundheits- und Krankenpfleger auf der orthopädischen Intensivstation in Schlierbach ist Jugend- und Ausbildungsvertreter beim Personalrat der Orthopädie und war als Mitglied der HEP-Arbeitsgruppe „Ergebnisqualität“ Mitveranstalter der Themencafés. Er sagt: „Das ist eine gute Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv einzubringen.“ Für ihn geht es vor allem darum, die Pflege für junge Menschen interessant und attraktiv zu gestalten. „Wir müssen jungen Leuten am Klinikum eine Perspektive bieten. Motivationsfaktoren für uns sind Weiterbildung, Wertschätzung und Digitalisierung.“ Im vergangenen Jahr, so Mingham, sei viel diskutiert und geredet worden. Nun freut er sich darauf, konkret etwas zu bewegen. „Ich würde mir wünschen, dass sich mehr junge Kollegen und solche, die aktiv in der Pflege arbeiten, an HEP und den Themencafés beteiligen und damit selbst aktiv Einfluss auf ihre berufliche Zukunft nehmen.“ Heike Dürr

„Die Themencafés sind eine gute Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv einzubringen.“

Cedric Mingham, Gesundheits- und Krankenpfleger in der Orthopädie

 

Heidelberger Expertise in der Pflege – HEP 2020

  • HEP 2020 ist ein auf vier Jahre angelegtes Strategieprojekt der Pflegedirektion.
  • Ziele sind u. a. Qualitätsentwicklung in der Pflege, Ausbau der Pflegekompetenz, eine exzellente pflegerische Versorgung und eine Erhöhung der Mitarbeiterzufriedenheit.
  • Die Aktionsfelder von HEP sind: Führung und Qualifizierung / Arbeitssicherheit, Gesundheit und Arbeitsumgebung / Marketing / Ergebnisqualität in der Pflege.
  • Verschiedene Arbeitsgruppen mit durchschnittlich zehn Mitgliedern setzen sich aus allen Hierarchieebenen, Alters- und Berufsgruppen in der Pflege zusammen.
  • Im Rahmen von HEP 2020 wird seit 2017 der Heidelberger Pflegepreis vergeben.

 

Heidelberger Pflegepreis

  • Wird seit 2017 im Rahmen von HEP 2020 vergeben.
  • Die Gewinner des Pflegepreises 2018 werden am 27. September von 9 bis 16.30 Uhr im Hörsaal der Medizinischen Klinik bekannt gegeben.
  • Mit dem 2. Heidelberger Pflegepreis werden innovative Projekte von Pflegeteams ausgezeichnet, welche der Verbesserung der Patientenversorgung dienen. Die eingereichten Projekte sollen nicht älter als zwei Jahre sein und nachhaltig die Patienten- oder Mitarbeiterzufriedenheit verbessern. Sie sollen den Teamgedanken fördern, ein „Stolz sein“ auf den Pflegeberuf bewirken und dem Ansehen bzw. dem Image der Pflege dienen.
  • Unterstützt wird der Pflegepreis in diesem Jahr von der Manfred Lautenschläger Stiftung.
  • Die Jury besteht aus Klinikumsvorstand, den Pflegedienstleitungen aller Zentren sowie aus Auszubildenden (3. Lehrjahr) der Gesundheits- und Krankenpflegeschule, der Gesundheits- und Kinderkrankenpflegeschule, der Hebammenschule und der OTA-Schule.

 

Teilnehmer des Heidelberger Pflegepreises 2017.

 

Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen am Universitätsklinikum

Auslöser für HEP2020 waren die Ergebnisse einer Untersuchung zu den Arbeitsbedingungen des Pflegepersonals am Universitätsklinikum im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen aus dem Jahr 2015. Die erhobenen Daten sind repräsentativ für die rund 2.500 Vollkräfte in der Pflege am Klinikum.

Als besonders belastend wurden die fehlende Planbarkeit im pflegerischen Alltag durch Zeitdruck und Unterbrechungen der Arbeitsroutine durch diagnostische oder therapeutische Maßnahmen beschrieben. Stress verursachen auch die hohe Arbeitsbelastung, Arbeit in Wechselschichten mit Nachtschicht, fehlende Entwicklungsmöglichkeiten oder Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit der Arbeit mit Familie und Freizeit. Alle diese Punkte können den Mitarbeitern den Beruf verleiden, im schlimmsten Fall haben sie negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten.

Um ihre Situation zu verbessern, wünschten sich die Befragten mehr Wertschätzung, mehr Mitbeteiligung und mehr Information. Sogenannte problemzentrierte Interviews im Rahmen der Studie ergaben auch, dass bei Pflegenden am Universitätsklinikum neben Leistungsbereitschaft der Wunsch zur Veränderung in hohem Maße vorhanden sind.

 

 

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