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Krankenhaushygiene auf Augenhöhe

18. Mai 2017
Rubrik_Wir bilden aus

Seit 2015 tragen hygienebeauftragte Pflegekräfte auf den Stationen zusätzlich zur Patientensicherheit bei

Hygienedefizite rechtzeitig erkennen, schnell beseitigen sowie die pflegenden Kollegen für das Thema sensibilisieren: Diese Funktion haben seit 2015 die hygienebeauftragten Pflegekräfte (HBP), die nach absolvierter interner Zusatzqualifikation an der Akademie für Gesundheitsberufe als feste Mitarbeiter auf den Stationen und in den Funktionsbereichen des Klinikums arbeiten. Rund 70 Beschäftigte haben die Qualifikation bereits abgeschlossen, 50 weitere werden jährlich in zwei Kursen ausgebildet. Langfristig soll auf jeder Station eine hygienebeauftragte Pflegekraft arbeiten und zur Vermeidung nosokomialer Infektionen beitragen.

Klinikum geht mit Zusatzqualifikation über gesetzliche Vorgaben hinaus

Gesetzlich wird diese Position in Baden-Württemberg nicht gefordert, für das Klinikum ist sie dennoch unerlässlich, um eine potentielle Fehlerquelle auszuschließen. „Wir ergreifen mit dieser Qualifizierungsmaßnahme die Chance, den Blick der Pflegekräfte auf ein für die Patientensicherheit wichtiges Thema zu richten“, erklärt Anja König, verantwortlich als Stabsstelle der Pflegedirektion für Qualität und Entwicklung in der Pflege, das Konzept.

Das ist auch ein Ziel von Prof. Dr. Uwe Frank, der am Klinikum die Sektion Krankenhaus- und Umwelthygiene des Zentrums für Infektiologie leitet. Er baut eine Hygienestruktur auf, die fest in die täglichen Abläufe integriert ist. „Wir wollen nicht erst dann einschreiten, wenn es brennt.“ Seine Sektion legt den Hygieneplan und Hygienestandards für das Gesamtklinikum sowie alle zugehörigen Gesundheitseinrichtungen fest und erstellt Reinigungs- und Desinfektionspläne. In den Kliniken sind rund ein Dutzend gesetzlich geforderter Hygienefachkräfte für die Umsetzung und Einhaltung dieser Maßnahmen zuständig. Sie haben eine zweijährige, staatlich anerkannte Ausbildung absolviert und sind direkt der Krankenhaushygiene unterstellt. Da sie jedoch nicht ständig auf Station sein können, erhalten sie nun Unterstützung durch die HBPs, die als Bindeglied und Multiplikatoren dafür sorgen sollen, dass alle, die in direktem Patientenkontakt stehen, über sämtliche Neuerungen in der Krankenhaushygiene informiert werden.

Abwechslungsreiches Tätigkeitsprofil mit viel Eigenverantwortung

Sandra Fackelmann arbeitet in der Ambulanz der Orthopädie in Schlierbach und wurde als eine der ersten HBPs ausgebildet. Sie absolvierte einen abwechslungsreichen 40-stündigen Kurs mit Informationen zu baulichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen, Grundlagen der Mikrobiologie oder Übertragungswege und Ausbruchsmanagement. Sie erhielt ein Kommunikationstraining und lernte mehr über spezifische Arbeitsabläufe und Lebensmittelhygiene, besuchte mit den Kollegen OPs, Ambulanzen und Intensivstationen. Ihr liegt dieses Unterrichtskonzept des kompakten und schnellen Lernens: „Ich möchte immer up to date sein.“ In der Ambulanz kümmert sie sich um Blutabnahmen, Verbände und Gipsanlagen, betreut die Spezialambulanzen und die Notaufnahme. Damit entspricht sie genau dem gewünschten Profil: „Wir brauchen engagierte Menschen, die ihren Arbeitsbereich gut kennen“, so König. An ihrer neuen Funktion gefällt Sandra Fackelmann die Möglichkeit, Dinge zu verändern und zu verbessern. Bereits parallel zum Kurs hat sie erste Maßnahmen ergriffen und Abläufe umgestellt. Für die Kollegen ist sie Ansprechpartnerin auf Augenhöhe, organisiert Fortbildungen und kümmert sich darum, dass ausreichend Arbeitsmaterialien vorhanden sind. Sie beobachtet die Umsetzung der Maßnahmen und macht Verbesserungsvorschläge. Regelmäßig tauscht sie sich mit ihrer Stationsleitung und den Hygienefachkräften aus, nimmt an den Hygienezirkeln der Orthopädischen Klinik teil und hat Zugriff auf alle relevanten Informationen der Sektion für Krankenhaushygiene. Ihr Engagement wird nicht zusätzlich entlohnt, für Meetings und Aufbaufortbildungen wird sie jedoch freigestellt. Um die Bedeutung der Aufgabe dennoch herauszustellen, erhalten die HBPs eine offizielle Ernennungsurkunde von Prof. Frank und Pflegedirektor Edgar Reisch.

Auch für Ilona Fendler, pflegerische Leitung der Intensiveinheit in der Orthopädie, ist Hygiene ein wichtiges Thema: „Wir sind ein absoluter Risikobereich.“ Für sie steht daher die Prävention im Vordergrund. Zwei ihrer Mitarbeiterinnen haben den HBP-Kurs bereits absolviert, konzipierten eine spannende Hygienewoche mit Quiz, um das Team zu sensibilisieren. „Für uns ist das alles sehr gewinnbringend“, so Fendler. Heike Dürr

Bildzeile:

Sandra Fackelmann, hygienebeauftragte Pflegekraft in der Orthopädie (li.), tauscht sich regelmäßig mit den Hygienefachkräften aus. Hier überprüft sie gemeinsam mit Martina Laier, ob die Händedesinfektion korrekt durchgeführt wurde.

>>Hintergrund: Hygienebeauftragte Ärztinnen und Ärzte

Zusätzlich zu den Hygienefachkräften und den HBPs gibt es am Universitätsklinikum über 50 hygienebeauftragte Ärztinnen und Ärzte. Laut Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) sollte jede Fachabteilung mit speziellem Risikoprofil für nosokomiale Infektionen einen hygienebeauftragten Mediziner benennen. Die Kurse finden ebenfalls an der AfG statt und werden von der Landesärztekammer mit Weiterbildungspunkten gefördert.

>>Tipps der Hygiene-Expertin 

Viele Hygiene-Maßnahmen sind nicht kostenintensiv, leicht umsetzbar und von allen Mitarbeitern gut in den Arbeitsalltag zu integrieren. Für Sandra Fackelmann lassen sie sich auf einige wesentliche Punkte zusammenfassen:

  • Das A und O ist die Händedesinfektion.
  • Ein Schwerpunkt liegt auf der persönlichen Schutzausrüstung.
  • Es gilt, ein Bewusstsein für das Thema zu entwickeln – denn Keime sind nicht sichtbar.
  • Wichtig ist es, selbst gesund zu bleiben und Keime nicht weiterzutragen.

 >>Das Klinikum nimmt Teil an der „Aktion Saubere Hände“ 

  • Das Universitätsklinikum Heidelberg nimmt unter der Leitung von Prof. Frank aktiv an der „Aktion Saubere Hände“ und dem Modul „Hand-KISS“ zur Erhebung des Verbrauchs an Hände-Desinfektionsmittel des Nationalen Zentrums für Surveillance von nosokomialen Infektionen teil.
  • Auch in diesem Jahr fand in diesem Rahmen am Welt-Händehygiene-Tag, dem 5. Mai, ein Aktionstag mit Aktionen innerhalb des Klinikums, Info-Schulungen an den Klinikeingängen, Spielen und Preisausschreiben statt.
  • Dadurch soll auf die Bedeutung der Händeesinfektion hingewiesen und Pflegepersonal für das Thema Krankenhaushygiene sensibilisiert werden.
  • Mehr Info unter: aktion-sauberehaende.de
Prof. Frank desinfiziert sich in der neuen Kinderklink seine Hände. Am 5. Mai ist Welthändehygienetag.

Prof. Dr. Uwe Frank, leiter der Sektion Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum Heidelberg.

 

 

 

 

 

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