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Eine Neuartige Behandlung als Notlösung war gefunden

5. April 2017
Bildschirmfoto SWR Beitrag Video

Vor über 30 Jahren erkrankte Sebastian Gärtner an Lymphdrüsenkrebs. Professor Anthony Ho, der im Februar 2017 nach über 40 Jahren am Klinikum in den Ruhestand verabschiedet wurde, wagte an ihm zum ersten Mal eine Blutstammzellen-Transplantation, die Gärtner das Leben rettet. Die SWR-Journalistin Sabrina Mann berichtete in der Landesschau des SWR.

Die Behandlung von Sebastian Gärtner war damals ein Novum – und aus der Not geboren. Seit 1983 erhielten in der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg unter dem damaligen Ärztlichen Direktor, Professor Dr.  Werner Hunstein, Patienten mit besonders aggressivem Blut- und Lymphknotenkrebs (Leukämien und Lymphome) eine Knochenmarktransplantation, doch bei dem damals 38-Jährigen war das aus medizinischen Gründen nicht möglich. Eine Alternative musste her, denn mit der damals üblichen Chemotherapie war die Erkrankung nicht in den Griff zu bekommen.

SWR-Video aus dem Jahr 2016 von Sabrina Mann

Dem damaligen Leiter der Forschungsgruppe, Professor Dr. Martin Körbling, war es in Tierversuchen bereits gelungen, Blutstammzellen durch eine Art Blutwäsche zu gewinnen. Die meisten dieser Zellen befinden sich im Knochenmark, wo aus ihnen rote und weiße Blutkörperchen heranreifen, einige von ihnen aber auch im Blut. Sie nisten sich nach der Transplantation selbständig in die „Nischen“ des Knochenmarks ein, vermehren sich und beginnen mit der Blutbildung. Zuvor muss das Knochenmark und alle bösartigen Zellen mit hochdosierter Chemo- und Strahlentherapie zerstört werden.

„Bei Sebastian Gärtner wagten wir erstmals die klinische Erprobung dieses innovativen Behandlungskonzeptes“, so Professor Dr. Anthony D. Ho, der an der Publikation der Ergebnisse beteiligt war. Dass Sebastian Gärtner dazu beitrug, Medizingeschichte zu schreiben, war ihm zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst: „Ja, ich war der Erste, der sich sozusagen mit seinen eigenen Stammzellen geheilt hat, wobei mir aber gar nicht klar war, dass die Ärzte mit mir Neuland betreten wollten. Ich dachte: Das machen die hier schon, ich habe den Ärzten hundertprozentig vertraut“, erinnert sich der pensionierte Fahrlehrer. Seine Blutbildung erholte sich innerhalb von zehn Tagen – drei bis vier Wochen hätte es nach einer Knochenmarktransplantation gedauert. Eine neue Therapieform war gefunden.

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