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Jubilare erinnern sich: Wie war es eigentlich vor 40 Jahren…

16. Dezember 2016
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…als Anästhesist in der Chirurgischen Klinik?

Dr. Franz Fleischer, Oberarzt in der Anästhesiologischen Klinik, ist einer von zahlreichen Jubilaren, die in den vergangenen Monaten ausgezeichnet wurden.

Können Sie sich noch an ihren ersten Arbeitstag erinnern?
Ich habe gestaunt, die Größe der Klinik hat mich überwältigt. Dazu kamen die großen Operationen, z.B. an der Lunge oder mit zwei Operationshöhlen, wie ich sie in dieser Form noch nicht erlebt hatte. Außerdem waren da die großen Persönlichkeiten, die ich bis dahin nur aus der Literatur kannte – und plötzlich arbeitete ich Hand und Hand mit ihnen. Begleitet hat mich in der ersten Zeit aber auch ein großes Bange sein um das Wohl meiner Patienten.

Wie kamen Sie damals ans Klinikum?
Der Liebe wegen – meine damalige Frau hat in Heidelberg studiert. Außerdem wollte ich an einer großen Klinik arbeiten und das Fach von der Pike auf lernen. Zuerst hatte ich allerdings vor, nur zwei Jahre in der Anästhesie zu bleiben: Als Berufsanfänger hatte ich große Angst vor Notfällen und ich wollte unbedingt lernen, Patienten zu retten und Sicherheit in Notsituationen zu gewinnen. Aber dann hat das Fach mir zugesagt. Ich hatte Glück und konnte schnell auf der Intensivstation oder im Herz-OP arbeiten. Da habe ich Feuer gefangen. Später habe ich mitgearbeitet, die Herz-Lungenmaschine auch für Operationen von Säuglingen in Heidelberg zu etablieren – der Aufbau einer Kinderherzanästhesie hat viel Freude bereitet.

Was hat sich in Ihrem Beruf seitdem verändert?
Zu Beginn meiner Tätigkeit war die Anästhesie noch ein wahrer Blindflug! Den Zustand des Patienten während einer Operation konnten wir nur mit unseren fünf Sinnen erfassen. Wir hatten ständig Hautkontakt zum Patienten, haben den Puls gefühlt und den Blutdruck manuell gemessen. Sauerstoff und CO2-Gehalt  standen nicht zur Verfügung. Die Beatmungsmaschinen haben den Druck angezeigt, mehr gab es nicht. Früher musste man die Narkosemittel sehr vorausschauend dosieren, da der Körper sie nur sehr langsam abgebaut hat. Heute gibt es Monitore, die bis zu 30 Parameter anzeigen und ein objektives Bild liefern.

Was war der wichtigste Grund, dem Klinikum treu zu bleiben?
Es gibt immer wieder neue, spannende Herausforderungen. Und die Kommunikation unter den Kollegen ist sehr gut.

Gab es mal einen Moment, in dem Sie das Klinikum verlassen wollten?
Ich habe mal überlegt, ins Ausland zu gehen. Und ich hätte die Leitung in kleineren Häusern übernehmen können. Aber die Arbeit wäre nicht mit dem Spektrum zu vergleichen gewesen, das man hier am Klinikum hat. Das wollte ich nicht aufgeben.

Zur Person: Dr. Franz Fleischer

Geburtsdatum: 23.5.1947

Geburtsort: Hof in Oberfranken

Stationen am Klinikum:

– 1976 bis 2003 Anästhesie (Assistenzarzt, Oberarzt, kommissarischer leitender Oberarzt)

– 2003 bis 2013 Chirurgie (interdisziplinäres OP-Management)

– seit 2013 Anästhesie (meist Kinderklinik, aber auch innere Medizin und Chirurgie)

Familie: geschieden, ein Sohn

Hobbies: Wandern, Fahrradfahren, Schwimmern, Lesen, Sprachen, Philosophie, Kochen

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